Hundehaltung vs. moderne Zeiten - learning-dogs

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Moderne Zeiten und Hundehaltung – ein Erfahrungsbericht

Als mobiler Hundetrainer fahre ich zu meinen Kunden, erkläre ihnen, wie sie ihren Hund besser erziehen können, und komme nach zwei, drei oder vier Wochen wieder. Dann höre ich leider oft den gleichen Satz: „Wir hatten gar keine Zeit, um mit dem Hund zu üben.“
Ich bin seit über 20 Jahren als Hundetrainer tätig und habe in dieser Zeit einen guten Überblick über die Entwicklungen und Veränderungen im Verhalten der Menschen gewonnen. Mein Eindruck: Der Effekt, dass viele Menschen kaum noch Zeit für ihren Hund haben, ist von Jahr zu Jahr schlimmer geworden.

Doch woran liegt das eigentlich?

Ein zentraler Punkt ist das fehlende Einfühlungsvermögen. Vielen Menschen fehlt heutzutage die Empathie, sich in ihren Hund hineinzuversetzen. Ein Hund möchte nicht nur gestreichelt und geliebt werden – er möchte auch gefordert werden. Er sehnt sich nach Zusammenarbeit mit seinem Menschen, nach gemeinsamen Erlebnissen, nach Lerneinheiten und Erfolgserlebnissen. Er möchte Teil eines Teams sein – nicht nur ein Kuscheltier auf dem Sofa.
Ein weiterer Punkt ist tatsächlich der Faktor Zeit. Allerdings nicht, weil Menschen objektiv keine Zeit haben, sondern weil sie ihr Freizeitverhalten nicht im Griff haben. Fernsehen, Streamingdienste, WhatsApp, Telegram, TikTok, YouTube – sie alle konkurrieren permanent um unsere Aufmerksamkeit. Die meisten Menschen können diesen Reizen kaum widerstehen.
Früher wurden Dinge kurz am Telefon geklärt – heute schreibt man sich minuten- oder stundenlang über Messenger-Dienste hin und her. Das Handy ist zur neuen Kommunikations- und Unterhaltungszentrale geworden – und leider ist es immer griffbereit. Beim Spaziergang sehe ich immer mehr Menschen, die ihr Handy in der Hand oder sogar direkt vor dem Gesicht haben.
Der Gassigang ist so ja schnell erledigt – aber mit dem Hund wurde sich dabei kaum beschäftigt. Zu Hause wirft man dem Tier ein Spielzeug hin, damit es sich alleine beschäftigt, während man selbst noch E-Mails oder Sprachnachrichten beantwortet.
Aber: Ein Hund ist acht Stunden am Tag wach – und möchte diese Zeit sinnvoll verbringen. Abends sitzen wir dann auf dem Sofa, lassen uns von Streaming-Plattformen unterhalten, und gleichzeitig streicheln wir zwar den Hund – doch die Hände sind am Handy, die Augen auf dem Bildschirm.
Immerhin: Der Hund freut sich über die Nähe. Doch über die Monate und Jahre wird er geistig unterfordert und stumpft ab.

Früher hatten Hunde Aufgaben

Früher hatten Hunde eine klare Aufgabe. Sie begleiteten uns bei der Jagd, bewachten Haus und Hof oder hüteten Schafe. Diese Funktionen sind in der modernen Stadt- und Vorstadtwelt fast vollständig entfallen. Selbst auf dem Land wird das immer seltener.
Einige Menschen versuchen, durch wöchentliche Beschäftigungen wie Agility, Mantrailing oder Tricktraining einen Ausgleich zu schaffen – was grundsätzlich zu begrüßen ist. Aber einmal pro Woche eine Stunde Beschäftigung soll dann die sieben Tage Arbeitsleistung an einer Schafherde ersetzen? Das ist nicht vergleichbar.
Wie bei älteren Menschen, denen man empfiehlt, Kreuzworträtsel zu lösen, um das Gehirn fit zu halten, benötigen auch Hunde im mittleren und höheren Alter weiterhin geistige Herausforderungen. Doch viele Halter hören mit gezielter Beschäftigung irgendwann einfach auf. Dabei möchten Hunde bis ins hohe Alter lernen und erleben – sofern man sie lässt.

Falsche Rücksicht und Bequemlichkeit

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Verweichlichung. Wenn es regnet, wird der Spaziergang abgekürzt – der Hund könnte ja nass werden. Wenn es kalt ist, bleibt man lieber drinnen – der Hund könnte frieren. Und wenn man selbst einen schlechten Tag hat, fällt der Gassigang eben besonders kurz aus.
Ich kenne Hunde in meiner Nachbarschaft, die dreimal täglich spazieren gehen – aber jeweils nur rund 800 Meter. Einmal um den Spielplatz, das muss reichen.
Gleichzeitig wird es dem Hund drinnen dann „gemütlich gemacht“: Ein warmes Plätzchen an der Heizung, etwas zum Kauen – das war’s.
Wenn ich vor 25 oder 30 Jahren mit Tierärzten gesprochen habe, hieß es: „Hunde bekommen keine Erkältung“. Heute hingegen sind Blasenentzündungen, Allergien, Unverträglichkeiten und Atemwegserkrankungen bei Hunden auf dem Vormarsch. Das hängt nicht nur mit der Umwelt oder Ernährung zusammen – auch Unterforderung, Bewegungsmangel und fehlende Robustheit spielen eine Rolle.
Ja, das Durchschnittsalter von Hunden ist in den letzten 20 Jahren um 2,5 Jahre gestiegen. Aber das liegt auch daran, dass Hunde mit Medikamenten künstlich länger am Leben gehalten werden – selbst dann, wenn sie eigentlich schon unter Schmerzen leiden und ein würdiger Abschied angemessener wäre.

Was ich beobachte

Ich spreche hier nicht über Studien oder wissenschaftliche Erkenntnisse. Ich spreche aus meiner Erfahrung – aus über 20 Jahren praktischer Arbeit mit Hunden und mehreren Hundert Kunden, die ich betreut habe. Ich beobachte, wie sich Verhalten, Prioritäten und Umgang mit Hunden verändert haben. Und das alles stimmt mich nachdenklich und oft auch traurig.
Natürlich weiß ich: Es gibt viele Hundehalterinnen und Hundehalter, die sich liebevoll und verantwortungsvoll um ihr Tier kümmern. Die nach Feierabend Zeit für gemeinsame Aktivitäten finden. Die das Handy beiseite legen, um mit dem Hund zu üben oder drei Stunden durch den Wald zu laufen.
In einer Zeit, in der alles hektischer, lauter und oberflächlicher wird, verdienen diese Menschen meinen ganz besonderen Respekt. Wer sich heute für einen Hund entscheidet und es schafft, sich wirklich auf ihn einzulassen, verdient Anerkennung.

© Text: Alexander M. Ewald www.learning-dogs.de 2025
© Bilder: KI generiert, anderweitige Nutzung ist untersagt

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